Geschlecht ist nicht einfach da, es wird gemacht – im Alltag, in Sprache, in Institutionen, in Beziehungen - in Psychotherapien. Was Simone de Beauvoir mit „man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es" formulierte, ist heute unter dem Begriff „doing gender" fachlich ausbuchstabiert: Geschlecht entsteht fortlaufend im sozialen Handeln, und mit ihm entstehen auch die Normen, an denen wir es messen. Für die psychotherapeutische Praxis hat das konkrete Folgen.
Zunehmend kommen Menschen in die Praxis, deren Geschlechtsidentität sich nicht in binären Kategorien abbilden lässt, und die dabei auf Formulare, Fragen und Selbstverständlichkeiten stoßen, die von einer binären Norm ausgehen. Als systemische Familientherapeut:innen sind wir gewohnt, die Behandlung individuell anzupassen. Welches Wissen über die gesellschaftliche Herstellung von Geschlecht brauchen wir dafür? Wie wirken sich patriarchale Strukturen auf die Entwicklung von Geschlechterrollen und individuelles und kollektives Leiden aus? Und wenn Normen gemacht sind statt gegeben: was machen wir als Psychotherapeut:innen dann selbst mit – und aus – unseren eigenen Zuschreibungsmustern?
Theorie * Fallbeispiele * Übungen


