Dieses Seminar widmet sich der Frage, inwieweit der jeweilige Quellenberuf von Psychotherapeut:innen (z. B. Medizin, Psychologie, Pädagogik, Sozialarbeit) als implizites Mindset die Wahrnehmung von Kindern, Jugendlichen und ihren Bezugssystemen beeinflusst – oft unbewusst.
Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Spannungsfeldern zwischen
- einer klinisch-psychiatrisch/medizinischen Perspektive, die stark an Diagnosesystemen (ICD-10/11, DSM-IV/V), Entwicklungspsychopathologie und Klassifikation orientiert ist,
- und psychotherapeutischen Zugängen, insbesondere konstruktivistisch und systemisch Lösungsorientiertorientierten Ansätzen, die diagnostische Kategorien kritisch reflektieren und den relationalen Kontext in den Vordergrund stellen.
Gerade in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie wird dieses Spannungsfeld besonders deutlich: Diagnosen betreffen nicht nur das Kind oder den/die Jugendliche:n selbst, sondern immer auch Familie, Schule, Institutionen und gesellschaftliche Erwartungen.
Ziel des Seminars ist es, diese Perspektiven transparent, reflektierbar und dialogfähig zu machen – nicht im Sinne eines Entweder-oder, sondern als bewusste Erweiterung professioneller Handlungsmöglichkeiten.
Referentin: Mag.a Evtimiya Radeva-Kullnig unter Mitarbeit von Dr.in Ilse Aumüller - Dr. Ilse Aumüller ist Klinische- und Gesundheitspsychologin sowie Psychotherapeutin (Systemische Therapie). Sie promovierte in Psychologie an der Universität Wien und verfügt über langjährige klinische Erfahrung mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien.

